Vom Kriegsgefangenenlager zum Sauerlandpark
Gelaendegeschichte
Schätzungen zufolge haben ca. 250.000 Kriegsgefangene das Lager durchlitten. Das Stalag VI A gehörte zu den großen Kriegsgefangenenlagern im Deutschen Reich.


Im Herbst 1939 wurde die am Jüberg seit 1937 im Bau befindliche Panzerkaserne in ein Kriegsgefangenenlager mit der Bezeichnung Stalag VI A umgewandelt. Dieses Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag ist eine Abkürzung von Stammlager) war das erste im Wehrkreis VI (Münster) und trug deshalb den Zusatz VI A.

Ein Stalag nahm nahezu ausschließlich Soldaten der Mannschaftsdienstgrade auf und diente als Sammel- und Verteillager für die Gefangenen, die in der Regel nach wenigen Tagen Aufenthalt in Arbeitskommandos geschickt wurden, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Das betraf ca. 90% der insgesamt vom Stalag verwalteten Gefangenen aus vielen Ländern Europas (Polen, Franzosen, Briten, Serben, Rumänen, Sowjets, Italiener). Je nach Nationalität und rassischer Zugehörigkeit wurden die Gefangenen sehr unterschiedlich behandelt. Die Westgefangenen und Polen hatten ein gerade noch erträgliches Los, während die sowjetischen Gefangenen als Untermenschen und die Italiener als Verräter sehr schlecht behandelt wurden. Im Lager hielten sich nur die Gefangenen auf, die aufgrund von Krankheiten, Verletzungen und Auszehrung nicht mehr arbeiten konnten, auf den Arbeitseinsatz warteten oder von den Kriegsschauplätzen in Transporten neu angekommen waren.

Gefürchtetes Lager

Etwa 10 % der vom Stalag verwalteten Gefangen waren im Lager. Die Belegung des Stalags mit Gefangen schwankte sehr stark zwischen 2.000 und mehr als 10.000. Schon bald nach Eröffnung des Lagers traten aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse, der Überbelegung, der Mangelernährung und kaum vorhandenen medizinischen Versorgung Seuchen auf. Als das Stalag VI A im Herbst 1942 zum Sondermannschaftslager für den Ruhrbergbau bestimmt wurde und fast nur noch sowjetische Gefangene im Lager waren, wurde es zum gefürchteten Elends- und Todeslager. Die sowjetischen Gefangenen kamen fast ausschließlich im Bergbau und in der Schwerindustrie des Ruhrgebietes unter unmenschlichen Bedingungen zu Einsatz.

Wer nicht mehr arbeiten konnte, wurde von den Zechen ins Stalag nach Hemer zurückgeschickt, wo tausende elend starben. Auf zwei Friedhöfen in Hemer sind ca. 8.000 bis 9.000 Gefangene, in der Mehrzahl sowjetische, beerdigt.

Am 14. April 1945 wurden mehr als 23.000 Gefangene von Amerikanischen Truppen befreit und auf schnellstem Wege mit Nahrung versorgt.

250.000 Kriegsgefangene

Schätzungen zufolge haben ca. 250.000 Kriegsgefangene das Lager durchlitten. Das Stalag VI A gehörte zu den großen Kriegsgefangenenlagern im Deutschen Reich.

Zur Rückführung der Gefangenen in ihre Heimatländer wandelten die Amerikaner das Stalag in das Displaced-Persons-Lager „Camp Roosevelt" um, welches bis Herbst 1945 existierte.
Ende 1945 richtete die Britische Rheinarmee auf dem Gelände das Internierungslager C.I.C. (Civil Internment Camp) No. 7 ein. Hier wurden bis zu 3.500 Deutsche in „Vorbeugehaft" genommen, die nach Ansicht der Briten in das nationalsozialistische System verstrickt gewesen waren. Im Herbst 1946 wurde das Lager in die Senne verlegt.

Ende 1946 zogen belgische Truppen als Besatzungsmacht in die Kaserne ein, die nun den Namen „Casernes Ardennes" führte. 1955 verließen die Belgier Hemer und 1956 zog die neu gegründete Bundeswehr in die Kaserne ein, die ab 1964 den Namen „Blücherkaserne" führte.

Kaserne 2007 geschlossen

Im Rahmen der Truppenreduzierung wurde der Standort Hemer im Januar 2007 aufgelöst. Nach baulichen Veränderungen fand auf dem Gelände ind er Zeit vom 14. April bis zum 24. Oktober 2010 unter dem Motto „Zauber der Verwandlung" die Landesgartenschau NRW statt.

Die Erinnerung an das Leiden und Sterben der Gefangenen wird durch das 1992 errichtete Denkmal am Eingang der ehemaligen Kaserne und durch die seit 1995 bestehende, im Jahre 2009 völlig neu gestaltete Informations- und Gedenkstätte in Gebäude 15 (Sauerlandpark-Verwaltung) wach gehalten. Innerhalb der 191 Tage währenden Landesgartenschau haben ca. 25.000 Gäste die Gedenkstätte besucht.

 
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