Die Frage ist ja erst einmal berechtigt: Wozu braucht man im Land der tausend Berge noch einen Aussichtsturm? Und was antwortet der gemeine Sauerländer darauf: Erst dann sieht man, wie schön es bei uns ist - und guckt nicht gleich vor den nächsten Berg.
Aber keine Sorge, auch Besucher ohne Bergsteiger-Qualitäten können den Rundblick übers Sauerland genießen. Wer sich dennoch für die sportliche Variante des Aufstiegs entscheidet, beginnt mit dem Bergtripp bereits auf dem Forumsplatz. Von dort aus führt die Himmelstreppe in luftige Höhen. 334 Stufen gilt es zu erklimmen, bis der Fuß des Jübergturms erreicht ist. Wer sich diesen Aufstieg ersparen will, räumt das Feld ganz einfach von oben auf. Und zwar über den Eingang Deilinghofen. Der liegt in Höhe des Jübergs, so dass keine Höhenmeter überwunden werden müssen.
Elegant-luftige Konstruktion
Auf welchem Weg auch immer - auf dem Jüberg angekommen, richtet sich der Blick nach oben. 240 Kanthölzer aus sibirischer Lärche fügen sich zu der elegant-luftigen Holzkonstruktion des 23 Meter hohen Jübergturms. 125 Stufen trennen den Besucher nun noch von dem einmaligen Ausblick, den sich übrigens auch schon Künstler wie Roger Hodgson, der legendären Stimme von Supertramp, oder der „Graf" von Unheilig vor ihren Auftritten in Hemer nicht entgehen lassen wollten.
Schon nach wenigen Stufen zahlt sich die Mühe aus: Durch seine Netzstruktur gibt der Turm auf dem Weg nach oben immer mehr Blicke in die Landschaft frei. „Die Stäbe in der untersten Ebene bestehen aus sechs Einzelstäben, wovon im nächsten Abschnitt fünf weitergeführt werden, dann vier, drei und schließlich zwei Stäbe, wodurch die Konstruktion nach oben hin immer offener wird", erklärt Stephan Birk.
Nicht nur für den jungen Stuttgarter Architekten war der Bau des Jübergturms eine echte Herausforderung. Der harte Winter im Jahr 2010 erforderte von den Landesgartenschau-Machern kreative Lösungen: Eine Winterbaustelle mit beheiztem Zelt wurde eingerichtet, damit der Turm pünktlich zur Eröffnung der 15. NRW Gartenschau am 17. April 2010 fertig gestellt werden konnte. Trotz Verzögerungen zweifelten die Organisatoren daran nicht: „Wir werden fertig!", lautete die Botschaft.
Hemers Wahrzeichen
Und er wurde fertig - einen Tag vor der Eröffnung gab der Statiker grünes Licht. Auch dank der Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer - Menden für die Stadt Hemer, die den Bau mit rund 400 000 Euro gesponsert hat.
Vom Sorgenkind zum Wahrzeichen: Hunderttausende Menschen haben den Jübergturm schon erklommen. Hunderttausende werden folgen und auf knapp 224 Metern über Normalnull die Aussicht genießen. Für die Hemeraner ist der Jübergturm längst zum Wahrzeichen avanciert. Und für den Märkischen Kreis bildet er eine neue Landmarke. Kurz hinter dem Ende der A 46, wo es über die B 7 direkt zum Sauerlandpark Hemer geht, ist er bereits zu sehen. Deshalb wird er nicht nur während des Illuminations-Spektakels „Lichtgarten" ins rechte Licht gerückt. Der Jübergturm strahlt Nacht für Nacht. Und so verspricht er nicht nur schöne Aussichten, sondern auch einen schönen Anblick.

