Befreiung des Stalag VI A am 14.4.1945

76. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag VI A

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

„nach einem überraschenden Vorstoß erreichte eine amerikanische Kampfgruppe am 13. April 1945 den Deilinghofener Flugplatz und stand damit kurz vor dem Stalag VI A. Eine Verteidigung des Lagers hätte zu einem Beschuss des Lagergeländes und damit zu einem Blutbad geführt. Um diese Katastrophe zu vermeiden, hatte sich der deutsche Hauptmann Weller zu den vorrückenden Amerikanern auf den Weg gemacht. Als er sie verspätet traf, schilderte er ihnen die Situation im Lager und die Befürchtungen der Lagerleitung, die Kontrolle zu verlieren. Zwei amerikanische Offiziere fuhren dann mit einem Jeep und Hauptmann Weller ins Stalag, das darauf den Amerikanern übergeben wurde. Die Zustände im Lager waren katastrophal, so gab es kaum noch Lebensmittel, und es befanden sich über 23.000 Gefangene auf dem Gelände. Der zuerst eingetroffene amerikanische Offizier enthob den Lagerkommandanten seines Kommandos, wies ihn aber an, die Ordnung im Lager aufrecht zu erhalten. Später erreichte eine andere amerikanische Kampftruppe das Lager und übernahm es ein zweites Mal. Am 14. April 1945 war Hemer ganz besetzt.“ Nachzulesen ist dies auf der Internetseite des Arbeitskreises Stalag VI A.

Die Befreiung des Stalag VI A in Hemer geschah heute genau vor 76 Jahren, mit ihr endete der grausamste Höhepunkt in der Hemeraner Stadtgeschichte. „Wir gedenken der Kriegsopfer“, heißt es häufig in zahllosen Gedenkreden, die in diesen Tagen gehalten werden. Es ist aber auch ein Satz, der Menschen, die Krieg und Vertreibung, Gefangenschaft und Folter nicht unmittelbar erleben mussten, nur schwer erreicht. Ich kann mich da als junger Bürgermeister nicht ausklammern. Wenn aber die Geschichte erlebbar wird, Zeitzeugen berichten oder Bildmaterial und Dokumente einem das Unheil, das auch hier in Hemer angerichtet wurde, vor Augen führen, bin ich ergriffen. Dann lese ich den Satz „Wir müssen uns erinnern, wir müssen mahnen – so etwas darf nie wieder geschehen“ mit völlig anderen Augen.

Zeitzeugen gibt es leider kaum noch. Einer von ihnen war Emil Nensel, ein Hemeraner, der als Anwohner der Lerchenstraße das grausame Geschehen rund um das Kriegsgefangenenlager seinerzeit hautnah miterlebte. Später führte er die Schüler zu den örtlichen Kriegsgräberstätten, über das ehemalige Stalag-Gelände und gab viele Erinnerungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges an Schüler weiter. Für mich war es eine große Ehre ihn kennenlernen zu dürfen. Leider ist Emil Nensel vor zehn Jahren im Alter von 84 Jahren gestorben.

Doch sein Schaffen lebt weiter: Er war der Initiator und Motor, damit ein Mahnmal an der Ostenschlahstraße errichtet wurde. Das Mahnmal „Den Opfern des Stalags VI A zum Gedenken“ vor dem Haupttor der Blücherkaserne stellt symbolisch die Gefangenschaft dar: Der Vorplatz der Gedenkstätte ist mit Steinen aus Granit gepflastert, die aus der Ostenschlahstraße herausgenommen wurden. Über diese Steine sind Hunderttausende gequälter Menschen gezogen, Tausende wurden hierüber zu den Friedhöfen gefahren.

Ohne zahlreiche Mitstreiter wäre Emil Nensel dies natürlich auch nicht gelungen. Zusammen mit weiteren interessierten Hemeraner Bürgern entstand zunächst der Arbeitskreis Stalag VI A. Später engagierte sich Emil Nensel auch im neu gegründeten Verein für Hemeraner Zeitgeschichte. Und ohne diese Initiativen wiederum, wäre es mir nicht möglich, so viele Details an dieser Stelle zu nennen. Sie machen die Geschichte für alle Generationen - wie erwähnt – erlebbar. Ob im Internet unter http://www.stalag-via.de/ oder in der Stalag-Gedenkstätte am Sauerlandpark.

Dafür bedanke ich mich bei allen Akteuren und Unterstützern, dass der 14. April eines jeden Jahres für uns kein Tag wie jeder andere ist, sondern uns jedes Jahr an die Befreiung des Stalag VI A in Hemer erinnert.

 

Ihr Christian Schweitzer
Bürgermeister der Stadt Hemer

 

Bürgermeister Christian Schweitzer
Zurück zur Übersicht