17.12.2014 / Tourismus & Freizeit

"Vorstadtkrokodile" räumen voll ab

Sechs restlos ausverkaufte Vorstellungen des Kinder- und Jugendtheaters "Stageplay" der Stadt Hemer im JuK am Park und generationsübergreifende Begeisterung auf allen Plätzen waren das Ergebnis der ersten hauseigenen Kindertheaterproduktion "Die Vorstadtkrokodile", gefördert durch das Ministerium NRW.

Der 1976 erschienene Bestseller von Max von der Grün hat eine ganze Generation geprägt, der ein Jahr später ausgestrahlte Fernsehfilm von Wolfgang Becker ("Derrick") ist Kult. Mittlerweile gibt es sogar eine neuzeitige Filmreihe, die sich über drei Filme erstreckt. Dementsprechend trat das Team um Theaterpädagoge Michael Hahn und Co-Regisseur Daniel Braun des Kinder- und Jugendtheaters "Stageplay" in gewaltige Fußstapfen, um eine neue originelle, aber doch traditionsreiche Variation des Bandenabenteuers "Die Vorstadtkrokodile"  innerhalb eines halben Jahres mit 25 Kindern auf die Bühne zu bringen.

Doch alle Befürchtungen, der Jugendbuch-Klassiker würde nicht mehr in die heutige Zeit passen, sind fehl am Platze. Denn auch wenn es die Inszenierung darauf anlegt, den 70er-Jahre-Zeitgeist zu treffen und ein Großteil des einmaligen Ruhrpott-Charmes der Vorlage wieder zu erwecken, so wird dennoch durch die Aktualität der angesprochenen Themen und die geschickt gewählte Rahmenhandlung der Sprung nahtlos in die heutige Zeit geschafft.

Denn eines der Hauptmotive von "Vorstadtkrokodile" ist Integration - in allen Farben und Formen. Am deutlichsten zeigt sich die Thematik natürlich in Bezug auf die gelähmte Klara, denn die Vorstadtkrokodile fassen sie zunächst nicht gerade mit Samthandschuhen an. "Rennfahrerin" ist da noch das Harmloseste, was sie zu hören bekommt. Das ist eine Ehrlichkeit, die man im Kindertheater viel zu selten antrifft. Schließlich bringt es eben nichts, von Anfang an auf "Friede - Freude - Eierkuchen" zu machen: Konflikte sollten - vor allen Dingen auf der Theaterbühne - angesprochen und nicht ausgeblendet werden.

Hahn: "Modernes Kindertheater kann ruhig ein wenig Anspruch vertragen, ohne dass dafür gleich Abstriche bei Spannung oder Unterhaltungswert nötig wären." Und diesem wurde die Inszenierung auch durch die aufwendige und atmosphärisch dichte Bühnenumsetzung voll auf gerecht.